Signal verlässt die EU bei Bewilligung der Chatkontrolle

Signal besteht auf Privat­sphäre für seine User und verlässt die EU, sollte die Chat­kon­trolle kommen. Kürz­lich erschien ein neuer Entwurf zu der Über­wachungs­maß­nahme.

In Europa könnte Signal seinen Dienst quit­tieren, falls die ange­dachte Chat­kon­trolle umge­setzt wird. Die EU-Kommis­sion will Messenger dazu anhalten, nach straf­recht­lich rele­vanten Inhalten zu suchen, zu melden und sie zu entfernen. Das wäre ein dras­tischer Eingriff in die Privat­sphäre. Weil der Daten­schutz bei Signal eine hohe Prio­rität hat, droht die Chefin mit einem Rückzug aus der Euro­päi­schen Union. Man lehne den kürz­lich einge­reichten Vorschlag zur Über­wachung ab. Bis die Chat­kon­trolle in Kraft tritt, stehe der Messenger an der Seite der EU-Bürger und ihr Recht auf Privat­sphäre.

Signal will keine gläsernen Anwender

Signal verabschiedet sich bei Chatkontrolle aus der EU
Signal verabschiedet sich bei Chatkontrolle aus der EU


Signal
Vor zwei Jahren legte die EU-Kommis­sion einen ersten Geset­zes­ent­wurf für die geplante Chat­kon­trolle vor. Kritiker bemän­gelten, dass die Maßnahme weit über das eigent­liche Ziel, dem Schutz vor Kindes­miss­brauch, hinaus geht. Zwar ließe sich zu einem gewissen Maß Präven­tion betreiben, aller­dings auf Kosten der Privat­sphäre von Hunderten Millionen Anwen­dern. Die EU-Kommis­sion über­arbei­tete ihr Konzept. Vor wenigen Tagen wurde ein Kompro­miss­vor­schlag publi­ziert. Aller­dings ändert sich an der grund­sätz­lichen Proble­matik dem 205 Seiten starken Doku­ment zufolge nichts.

Betreiber von zur Kommu­nika­tion verwen­deten Inter­net­diensten wie E-Mails und Messenger sollen verdäch­tige Inhalte ausspio­nieren. Das ist insbe­son­dere Meredith Whit­taker, Chefin von Signal, ein Dorn im Auge. Auf X (ehemals Twitter) zeigte Sie sich scho­ckiert über die Pläne der EU. Man würde den euro­päi­schen Markt lieber verlassen, anstatt den zuge­sicherten Daten­schutz zu unter­graben. Falls der Vorschlag ange­nommen wird, sei Signal zu diesem Schritt gezwungen. Als "Über­wachungs­wein in Sicher­heits­fla­schen" bezeichnet Whit­taker das Vorhaben.

Signal hebt das Recht auf Privat­sphäre hervor

In einem weiteren X-Beitrag erläu­tert die Führungs­kraft ihr State­ment genauer. Signal will bis zum Ende, womit das Inkraft­treten des Gesetzes gemeint ist, in der Euro­päi­schen Union aktiv bleiben. Egal was die Kommis­sion macht, man stehe "an der Seite der Menschen in Europa und ihres Rechts auf Privat­sphäre". Selbst wolle man im Notfall nicht den Stecker ziehen, dies sei aber die Konse­quenz. Wenn sich Signal nicht an die Chat­kon­trolle halten würde, würde die EU-Kommis­sion nämlich den Dienst inner­halb Europas verbieten. Ob das Gesetz kommt, ist aufgrund der gespal­tenen Meinung der Mitglieds­staaten unsi­cher.

Von André Reinhardt

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